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Wappen und Siegel

Vor 400 Jahren: Thomas Scheitenberger, Vogt von Kißlegg 1620 bis 1632



Einleitung

Thomas Scheitenberger war in einer sehr bedeutenden Phase der Geschichte Kißleggs von 1620 bis 1632 Vogt, Amts- und Gerichtsschreiber des Baumgartischen Teils der Herrschaft Kißlegg, worauf im Verlauf des Textes noch eingegangen werden wird.1

Zuvor hatte er seit 1606 diese Ämter in der Baumgartischen Herrschaft Konzenberg in der Nähe von Augsburg inne.2 Geboren wurde Thomas Scheitenberger vermutlich in den 1570er Jahren.


Wappen und Verwandtschaftsbeziehungen

Sein genauer Geburtsort ist zwar unklar, jedoch lässt sich über das Wappen, das er führte und während eines Aufenthaltes in Ingolstadt 1603 im Stammbuch des Stephan Klingshirn eintrug (Abb. 1),3 eine Verwandtschaftsbeziehung zu Gallus Schittenberger herstellen, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dasselbe Wappen führte.4 Gallus Schittenberger hatte sein Wappen am 12. Februar 1539 in Toledo durch den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Karl V., für seinen „wolbedachten apart gueten Rath und Rechten wissen“5 verliehen bekommen.6 Die im Wappenbrief enthaltene Wappenbeschreibung passt exakt zum Wappen, das auch Thomas Scheitenberger 1603 führte, weshalb hier eine Verwandtschaftsbeziehung über die väterliche Linie belegt werden kann. Besagtes Wappen wird auch in dem von Eduard Zimmermann publizierten Buch „Augsburger Zeichen und Wappen“ aufgeführt.7

Gallus Schittenberger wird außerdem 1555 in einer Urkunde des Salemer Oberamtes Ostrach als Vogt von Königsegg und Unterpfleger der Kaplanei St. Anna in der Pfarrkirche zu Königseggwald erwähnt.8 Er besaß zudem ein Erblehenhaus mit Backhaus in Ostrach.9

Mit hoher Wahrscheinlichkeit war Gallus Schittenberger 1555 bereits im fortgeschrittenen Alter, weshalb man annehmen muss, dass der spätere Vogt von Kißlegg, Thomas Scheitenberger, sein Enkel war und somit eine Generation zwischen ihnen lag.

Ein Sohn von Gallus Schittenberger und eventuell Vater von Thomas Scheitenberger könnte der um 1572 als Vogt der bei Tussenhausen gelegenen Ortschaft Mattsies erwähnte Hanns Scheitenberger sein, der nach Auskunft des Stadtarchivs Augsburg dasselbe Wappen wie Gallus Schittenberger führte.10


Abb. 1


Abb. 1

Wappen des Thomas Scheitenberger im Stammbuch des Stephan Klingshirn Ingolstadt, 1603

Staatsbibliothek Bamberg, Msc. Hist. 175, fol.206r


Potentielle Vorfahren und Namensherkunft

Potentielle Vorfahren oder Verwandte des Gallus Schittenberger lassen sich in der Region Bodensee-Oberschwaben seit 1304 zahlreiche finden. 1304 erfolgte mit Johans von Schiterberg die erste bekannte, urkundliche Nennung des Familiennamens Schiterberg, Schiterberger, Scheiterberg, Scheiterberger, Schitenberg, Schitenberger, Scheitenberg, Scheitenberger.11 Johans Schiterberg gilt als Erbauer der gleichnamigen, heute jedoch abgegangenen Burg im Bezirk Andelfingen des Kantons Zürich, Schweiz.12 Ihren Namen hat die Familie höchstwahrscheinlich von dem bereits vor dem Burgenbau existierenden Flurnamen Schiterberg.13 Im Oberdeutschen Flurnamenbuch wird das Wort schitter bzw. schütter als Charakterisierung einer Fläche verstanden, die dünn mit Holz bestanden ist.14 Somit könnte beispielsweise mit einem Schiterberg ein dünn mit Bäumen bestandener Berg gemeint sein. Der Flurname könnte sich jedoch auch aus dem Wort Scheit/Scheiter ableiten, was die Bezeichnung für einen Holzscheit bzw. Spältling ist. In diesem Fall könnte als Schiterberg auch ein Berg gemeint sein, auf dem Holz eingeschlagen und zugerichtet wird.15 Die Freiherren von Schiterberg besaßen laut einem Urbar der Abtei Rheinau mehrere Lehen, darunter auch Zehntrechte zu Andelfingen.16 Die Burg Schiterberg wurde bereits in einer Chronik des 16. Jahrhunderts als zerstört charakterisiert.17

Eine mögliche Verwandte dieser adeligen Familie Schiterberg diesseits des Rheins im heutigen Oberschwaben könnte Agnes von Sulgen (Saulgau) gewesen sein, die eine von Schitterberg war und 1348 als Klosterfrau in Heiligkreuztal bei Riedlingen erwähnt wurde.18

Auch in Urkunden des 15. Jahrhunderts finden sich zahlreiche Nennungen von Schittenbergern im Raum Oberschwaben. So etwa 1445 Hans Schittenberger der Ältere aus Wendenreute bei Königsegg, der 1445 in Ungnade des Abtes Erhard des Klosters Weingarten fiel, weil er eine Ungenossame heiratete,19 womit vermutlich entweder eine nicht aus demselben Stand stammende oder eine Ehefrau aus einer fremden Herrschaft gemeint war.20

Auch für das 16. Jahrhundert finden sich im Umfeld der bisher genannten Ortschaften urkundliche Erwähnungen von Schittenbergern, wie etwa Hans Schittenberger von Hoßkirch 1530 und Thomas Scheitenberger als Schreiber und Lehensträger des Klosters Rot an der Roth 1535.21

Ob Thomas Scheitenberger ebenfalls gebürtig aus der Gegend um Königsegg stammte, lässt sich bisher nicht belegen, jedoch legt dies die Übereinstimmung seines Wappens mit dem des Gallus Schittenberger nahe. Ein sicherer Nachweis zur Herkunft Thomas Scheitenbergers lässt sich hingegen aus Angaben in seinen Universitätsmatrikeln der Universitäten Ingolstadt, Wien und Freiburg gewinnen, worauf im weiteren Verlauf noch eingegangen wird.


Herkunft und Studienzeit des Thomas Scheitenberger

Bereits am 9. Juni 1586 schrieb sich Thomas vermutlich im Alter von 13 bis 15 Jahren als Student an der katholischen Universität Dillingen ein,22 die 1551 von Kardinal Otto Truchsess von Waldburg im Rahmen der Gegenreformation in Nachfolge der Universität Augsburg in Dillingen neu gegründet wurde.23 An der Universität Dillingen wurden zum einen adelige Söhne und zum anderen Verwaltungsleute der Kirche und des Adels ausgebildet. Zu letzteren ist auch Thomas Scheitenberger zu zählen. Seine Bildungsbiographie führte ihn schließlich weiter an die Universitäten Ingolstadt, wo er sich 1587 immatrikulierte,24 Wien, wo er sich ebenfalls 1587 einschrieb,25 und Freiburg, wo er 1593 eingeschrieben wurde.26 In allen drei Fällen wird als Herkunftsort von Thomas Scheitenberger Utinganus angeführt, womit höchstwahrscheinlich das bei Augsburg gelegene Jettingen gemeint wurde. Diese Herkunft aus Jettingen passt auch im Hinblick auf sein Amt als Vogt der nahe gelegenen Herrschaft Konzenberg ab 1606 in das Bild, das sich zum Leben von Thomas Scheitenberger abzeichnet.

Sehr realitätsnah wird die Studienzeit und Lebensgeschichte des Thomas Scheitenberger beim Blick auf die Akten des Reichskammergerichts. Hieraus geht hervor, dass Thomas noch während seiner Studienzeit in Ingolstadt in eine tätliche Auseinandersetzung mit Körperverletzung als Folge eines Streits zwischen Kommilitonen verwickelt war.27


Gesellschaftliche Stellung der Familie Scheitenberger

Durch die Wappenverleihung an Gallus Schittenberger war die Familie in der Ständeordnung des Alten Reiches in das 5. Heerschild aufgestiegen, die von der Gruppe an Personen gebildet wurde, die als Dienstleute für die Adeligen und Kirchen tätig waren und auch als Mittelfreie oder Halbedle bezeichnet wurden.28 Sie unterschieden sich somit von den Adligen in den höheren Ständen und den gemeinen Freien sowie den aus nicht eigener und ehrlicher Geburt entstammenden niedrigeren Ständen.29

Wichtig war die Standeszugehörigkeit deswegen, da hiermit diverse Privilegien verbunden waren, wie etwa das Recht, an Schöffengerichten mitzuwirken, den Wohnort frei zu wählen, Grabmäler zu errichten oder sich frei im Reichsgebiet bewegen zu können. Erst diese Privilegien machten es Thomas Scheitenberger möglich, in Kißlegg das Amt des Vogtes auszuüben und beruflich mobil zu sein. Ähnliche Privilegien besaß beispielsweise die Kißlegger Familie Walser, die sich 1660 in Kißlegg niederließ und im Ort die waldburg-trauchburgische Färberei übernahm. Als ehemalige Bürger der damals freien Reichstadt Bregenz sind in ihrem Wappenbrief diese Privilegien allesamt im Detail aufgelistet.30

Dr. iur. Konrad Müller, Advokat des kaiserlichen Landgerichts des Burggrafentums Nürnberg zu Ansbach, verklagte bereits 1598 Dr. iur. Johann Christoph Reinhardt, herzoglich württembergischen Oberrat zu Stuttgart, und forderte von ihm 4000 Reichstaler Schadensersatz, um hiermit seine Kosten für Ärzte und Arzneimittel zu decken.31 Im Rahmen der tätlichen Auseinandersetzung waren Reinhardt mit seinem Waidmesser auf der einen Seite und Müller sowie Scheitenberger mit Dolchen auf der anderen Seite in Streit geraten, worauf Reinhart seinen Kontrahenten Müller mit dem Waidmesser eine schwere Augenverletzung zufügte.32 Müllers Klage ging insgesamt durch drei Instanzen. Schließlich wurden ihm 1000 Gulden Schadensersatz zugesprochen.33 Als Jurist am Prozess beteiligt war der sich im Lizenziat, also seiner Doktorarbeitsphase, befindliche Peter Paul Steuernagel, der sich mit Spruch und Wappen 1595 in das studentische Stammbuch des Philipp Scheitenberger eingetragen hatte (Abb. 2).34 Die Person Philipp Scheitenberger wird im weiteren Verlauf noch thematisiert werden.

Spruch und Wappen des Peter Paul Steuernagel



Abb. 2

Spruch und Wappen des Peter Paul Steuernagel im studentischen Stammbuch des Philipp Scheitenberger, 1595.

Staatsbibliothek Stuttgart, Cod. hist. oct. 68.


Thomas Scheitenberger als Kißlegger Vogt sowie Amts- und Gerichtsschreiber

Als promovierter Jurist des weltlichen und kirchlichen Rechtes war Thomas Scheitenberger in der Herrschaft Kißlegg für den Baumgartischen Teil in Angelegenheiten der Strafrechtspflege der Herrschaft Kißlegg und in weiteren Verwaltungsangelegenheiten tätig. Zudem beriet er Maria Gräfin zu Hohenems, geborene von Baumgarten, auch in rechtlichen Angelegenheiten, die das Verhältnis zu den Freiherren zu Schellenberg betrafen,35 wie etwa in der „Kißleggischen Sache“.36

Die „Kißleggische Sache“ bezeichnet einen Streit zwischen den Erben des Baumgartischen Teils der Herrschaft Kißlegg und dem Schellenbergischen Teil um Besitzansprüche an dem von der Gräfin Maria zu Hohenems geerbten, erstgenannten Anteil.37 In dieser Angelegenheit unternahm Thomas Scheitenberger um 1626 eine Reise nach Wien.38

Dass Thomas Scheitenberger wohl aufgrund seiner juristischen Kompetenzen einer der bestbesoldeten Kißlegger Vögte seiner Zeit war, zeigen historische Akten zu seiner Bestallung. So erhielt er die Tafel in Höhe von 150 Gulden, 200 Gulden in bar und in der Kanzleitaxe (Schreibgeld, Abzug, Teilung usw.), ferner war ihm die Behausung und jährlich für 40 Gulden Holz, ein Fischwasser für 15 Gulden, Korn zu 50 Gulden und weiteres gegeben, was sich zusammengerechnet im Jahr auf 720 Gulden belief.39

Georg Brandlater als Nachfolger von Thomas Scheitenberger wurde nur mit insgesamt 500 Gulden jährlich einschließlich Naturalleistungen, Obdach etc. besoldet.40 Es scheint hierbei jedoch auch die Lieferung von Fischen über Ulm nach Wien eine Rolle gespielt zu haben.41


Ehe, Familie und Kinder

Zwar lässt sich anhand der bisher ausgewerteten historischen Quellen nicht nachvollziehen, wann Thomas Scheitenberger heiratete, jedoch bietet ein erhaltener Brief seiner Schwiegermutter an seine aus der bei Jettingen und Konzenberg gelegenen Ortschaft Röfingen stammende Ehefrau Anna Beysler vielfältige Informationen zu seinen Verwandtschaftsverhältnissen auf Seiten der Schwiegerfamilie.42 Anhand des Briefes wird deutlich, dass Thomas Scheitenberger mit seiner Ehefrau Anna Beysler sowie ihren gemeinsamen Kindern wohl bis zu seinem Umzug nach Kißlegg 1620 in Röfingen wohnte.43 Die Mutter, die ebenfalls Anna hieß, war wohl zu dieser Zeit in ein Gerichtsverfahren verwickelt, im Rahmen dessen ihr Thomas Scheitenberger bisher wohl juristisch beigestanden war.44 Sehr aufgewühlt berichtet die Schwiegermutter davon, dass man sie nicht für schuldig halten solle und sie die Unterstützung ihres Schwiegersohnes sehr entbehre.45 Zudem schreibt die Schwiegermutter Anna, dass ihr Mann mit 55 Gulden bei der Herrschaft verschuldet sei und ihr Sohn Peter vergangenen Mittwoch in der Stube auf das Gesicht gefallen war, und sich hierbei sein Gesicht und die Nase so verletzt hatte, dass er sich am nächsten Tag aufgrund der starken Blutungen im Bett aufhalten musste.46 Durch die Inhalte des Briefs wird das Familienleben des ehemaligen Kißlegger Vogtes Scheitenberger sehr gut nachvollziehbar. Er war sicher geprägt von viel Unruhe und Schwierigkeiten, die es für ihn beherzt zu lösen galt.

Insgesamt zwei Kinder lassen sich Anna Beysler und Thomas Scheitenberger als Nachwuchs zuordnen. Anhand der Taufbücher der Pfarrei Kißlegg lässt sich für den 10. März 1622 die Taufe der Tochter Elisabetha Scheitenberger und für den 18. Juli 1623 die Taufe des Sohnes Johannes Ernestus Scheitenberger nachweisen.47 Die Patenschaft für die beiden Kinder übernahmen beides Mal Johann Christoph von Schellenberg und Maria Gräfin von Hohenems.48

Der Brief eines nicht namentlich nachvollziehbaren und in Altdorf (Weingarten) ansässigen Schwagers von Thomas Scheitenberger aus dem Jahr 1627 stellt eine Einladung zur Hochzeit des Schwagers mit Margaretha Prokh aus dem vorarlbergischen Blumenegg dar.49 Die Hochzeit sollte am 15. November in Feldkirch stattfinden.50 Das Wappen des Schwagers von Thomas Scheitenberger findet sich am Brief in Form eines Papiersiegels angebracht.51 Der Wappenschild zeigt eine Hand, die drei Rosenstengel mit Blüten hält (Abb. 3).

Über die weiteren Kinder von Thomas Scheitenberger ist bisher nur bekannt, dass ein weiterer Sohn mit Namen Johann existierte, der bereits 1624 an der Universität Dillingen studierte und für den sein Vater die Kosten für das Studium, wie etwa Unterkunft, Bekleidung etc. beglich.52 Ob Johann ein gemeinsames Kind mit Ehefrau Anna Beysler war, lässt sich derzeit nicht klar nachvollziehen, jedoch liegt diese Annahme sehr nahe. Seine Immatrikulation an der Universität Dillingen erfolgte jedenfalls im Jahr 1623 unter der Matrikelnummer 127.53 Ein weiterer Sohn von Thomas Scheitenberger könnte Sebastianus Philippus Scheitenberger sein, der sich am 19. Mai 1638 an der Universität Dillingen unter der Matrikelnummer 3 einschrieb und für den als Vater ein Thomas und als Herkunftsort Konzenberg angegeben wurde.54


Papiersiegel des Schwagers von Thomas Scheitenberger Abb. 3

Wappen des Schwagers von Thomas Scheitenberger in Form eines Papiersiegels an einem Brief. Der Wappenschild zeigt eine Hand, die drei Rosenstengel mit Blüten hält.

Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil-Trauchburg, ZAKi 237


Weitere Verwandte

Anhand der Matrikel der Universität Dillingen sowie Ähnlichkeiten des geführten Wappens wird deutlich, dass Thomas Scheitenberger mindestens zwei Brüder hatte, die wie er in Dillingen, Ingolstadt und Wien Jura studierten.55

Christophorus Scheitenberger schrieb sich 1584 in der Universität Dillingen ein; seine Herkunft wird im entsprechenden Matrikel leider nicht angegeben.56 Er schrieb sich 1590 an der dortigen Universität ein und erwarb seinen Doktortitel im weltlichen und kirchlichen Recht schließlich 1597 im italienischen Perugia.57 Christoph Scheitenberger wird 1609 und 1612 urkundlich als Oberamtmann des Klosters Rot im heutigen Rot an der Rot genannt.58 Von 1614 bis 1632 wurden Dr. Christoph Scheitenberger oder seine Ehefrau in den Steuerbüchern der ehemaligen Reichsstadt Wangen als Bewohner des sich am Marktplatz befindlichen Hinderofen-Hauses vermerkt.59 Es lassen sich höchstwahrscheinlich insgesamt vier Kinder von Christoph Scheitenberger nachweisen. Am 12.12.1621 stirbt in Wangen eine Margaretha Scheitenberger, bei der es sich um eine Tochter Christophs gehandelt haben muss, da seine Frau in den Totenbüchern mit ihrem Mädchennamen genannt worden wäre.60 1626 schreibt sich zudem ein aus Wangen im Allgäu stammender Michael Scheitenberger an der Universität Dillingen ein, bei dem es sich sicher um einen Sohn Christoph Scheitenbergers und seiner Ehefrau handelte.61 Eine weitere Tochter von Christoph Scheitenberger könnte Ursula Scheitenberger gewesen sein, die 1615, 1616 und 1618 in den Taufbüchern der Stadt Wangen für Dorothea, Imentius und Philippus Epple als Taufpatin angeführt wird.62 Für den 12.06.1616 wir zudem in den Heiratsbüchern der Stadt Wangen die Hochzeit von Elsa Scheitenberger mit dem aus Ratzenried stammenden Sebastian Reischmann angeführt.63 Hierbei könnte es sich ebenfalls um eine Tochter von Christoph Scheitenberger gehandelt haben

Johann Scheitenberger, ein weiterer Bruder von Thomas, schrieb sich wie sein Bruder ebenfalls 1587 als Student an der Universität Dillingen ein.64 Als sein Herkunftsort wurde hierbei ebenfalls Jettingen angegeben.65 Johann Scheitenberger trug sich wie sein Bruder Thomas 1603 mit Wappen in Ingolstadt in das Stammbuch des Stephan Klingshirn ein (Abb. 4).66 Ein Johann Scheitenberger wird auch für das Jahr 1601 urkundlich als Pfleger der Fuggerherrschaft Glött erwähnt.67 Bei Dekan Johann Scheitenberger, der 1625, 1633, 1635, 1636, 1640 und 1641 urkundlich als Verwalter der Heiligen Kapelle zu Altötting genannt wird, handelt es sich mit hoher Sicherheit um den Bruder von Thomas Scheitenberger.68 Johann Scheitenberger übersetzte in seiner Amtszeit als Pfleger der Kapelle in Altötting auch die von Jakob Irsing verfasste Wallfahrtschronik in die deutsche Sprache.69 Johann Scheitenberger wurde auf dem Friedhof in Altötting begraben, wo 1905 noch sein Grabstein zu finden war.70


Wappen des Johann Scheitenberger Abb. 4

Eintrag des Johann Scheitenberger im Stammbuch des Stephan Klingshirn in Ingolstadt, 1603

Staatsbibliothek Bamberg Msc. Hist.175, fol.205r


Aufgrund der Ähnlichkeit der Wappen von Philipp Scheitenberger mit denen von Thomas, Johann und Christoph Scheitenberger liegt es nahe, dass hier ebenfalls ein Verwandtschaftsverhältnis bestand. Das Wappen des Philipp Scheitenberger, das ebenfalls im Augsburger Wappenbuch von Zimmermann abgebildet ist, war genauso gestaltet wie das von Thomas, jedoch waren hier Äste mit Lilienknospen an den Spitzen Bestandteile des Wappenbildes.71 Somit liegt es nahe, dass Thomas und Philipp Scheitenberger vermutlich Cousins waren, und daher der 1539 von Kaiser Karl dem V. mit diesem Wappen beschenkte Gallus Schittenberger ein gemeinsamer Vorfahre von Ihnen war. Die Variation in Philipp Scheitenbergers Wappen könnte damit zusammenhängen, dass er im Rahmen seiner Dienste als Leibsekretär bzw. Rat der Augsburger Grafen zu Fugger von der Lilie entweder eine Wappenmehrung zugesprochen bekam oder sein Wappen im Hinblick auf die Gestaltung des Wappens seiner Dienstherren anpasste.72 Philipp Scheitenberger heiratete in zweiter Ehe am 27.05.1620 in Augsburg die aus Feldkirch in Vorarlberg stammende Perpetua Prokh.73 Auch Philipp Scheitenberger nahm ab 1579 sein Studium an der Universität Dillingen auf.74


Weitere Lebens- und Berufsstationen von Thomas Scheitenberger

Thomas Scheitenberger verließ 1632 Kißlegg, so wie auch sein Bruder Christophorus Scheitenberger ab 1632 nicht mehr in den Steuerbüchern der Stadt Wangen auftaucht. Mit großer Sicherheit hing dies zusammen mit einer Pestwelle, die von 1632 bis 1635 neben Kißlegg und Wangen auch die gesamte umliegende Region getroffen hatte.75 Vermutlich waren Thomas und Christoph mit ihren Familien vor der grassierenden Pest geflüchtet.

Nach Auskunft einer Archivarin des Stadtarchivs Augsburg ist zu Thomas Scheitenbergers weiterem Lebensweg bekannt, dass er ein Bürgerrecht zu Zusmarshausen in direkter Nachbarschaft Jettingens besaß.76 Aus diesem Schreiben geht auch hervor, dass Thomas Scheitenberger 1639/41 urkundlich als Augsburger Pfleger zu Schwabmünchen und 1641 als Richter des Augsburger Domkapitels zu Langerringen bei Schwabmünchen erwähnt wird.77


Schlussbetrachtung

Die Geschichte des ehemaligen Vogtes des Baumgartischen Teils der Herrschaft Kißlegg steht exemplarisch für den Bildungsweg und das Leben eines herrschaftlichen Verwaltungsbeamten in der Zeit zum Ende des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts.

Ausbildung, Beruf und gesellschaftlicher Stand wurden seit der Zeit Gallus Schittenbergers durch Wappenverleihung und Standeserhöhung von Seiten Kaiser Karls V. zudem auch generationenübergreifend festgeschrieben. Hierdurch wurde die Entstehung einer Familiendynastie von kirchlichen und weltlichen Beamten und Juristen des 16. und 17. Jahrhunderts staatlich mitbegründet und gefördert.

Eingebettet in die Geschichte und Lebensbedingungen seiner Zeit wird die Biographie des ehemaligen Kißlegger Vogtes Scheitenberger ein Zeugnis der Vergangenheit unserer Ortschaft, die hierdurch zudem in ein weiteres historisch-räumliches Bezugsfeld eingebettet wird.

Philipp Scheitenberger, Kißlegg
15.12.2019

______________________________________________________________________

Anmerkungen

1 Mehrle, Paul-Dieter: Die Strafrechtspflege in der Herrschaft Kißlegg. Von den Anfängen bis zum Jahre 1633. Pfullingen 1961, S. 48f.

2 Ebd.

3 Stephan Klingshirn war zu dieser Zeit Hofmeister zweier in Ingolstadt ansässiger Freiherren von Fugger. Vgl. Leitschuh, Friedrich: Katalog der Handschriften der Königlichen Bibliothek zu Bamberg. Bd 1, Abt. 2. Lfg. 2. Wiesbaden 1966, S. 278.

4 Österreichisches Staatsarchiv, ÖSTA-2057755/02-AVAFHKA.

5 Ebd.

6 Ebd.

7 Zimmermann, Eduard: Augsburger Zeichen und Wappen. Augsburg 1970, Tafel 103, Abb. 3080.

Ebd., Tafel 114, Abb. 3389.

8 Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/4 T 1, Nr. 253.

9 Ebd.

10 Herde, Simone: Antwortschreiben auf Anfrage zu Scheitenbergern in Augsburg. Augsburg 2013.

11 Kaiser, Olaf: Burgstelle Schiterberg, auf: burgenwelt.org, < http://www.burgenwelt.org/schweiz/schiterberg/object.php>, abgerufen am 14.12.2019.

12 Ebd.

13 Ebd.

14 Buck, M.R.: Oberdeutsches Flurnamenbuch. Stuttgart 1880, S. 239.

15 Ebd., S. 235.

16 Kaiser, Olaf: Burgstelle Schiterberg, auf: burgenwelt.org, < http://www.burgenwelt.org/schweiz/schiterberg/object.php>, abgerufen am 14.12.2019.

17 Ebd.

18 Brechenmacher, Josef Karlmann: Ethymologisches Wörterbuch der deutschen Familiennamen. K-Z. Limburg 1957, S. 494f.

19 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 515, U 2246.

20 Zedler, Johann Heinrich: Grosses Universal-Lexikon, aller Wissenschaften und Künste. Neun und Vierzigster Band. Leipzig und Halle 1746, S. 1438ff.

21 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 522 I, U 944; B 486, U 328.

22 Specht, Thomas; Schröder, Alfred: Die Matrikel der Universität Dillingen. Band 1 1551 – 1645. Dillingen 1909, S. 163, Matrikel 45.

23 Specht, Thomas; Geschichte der ehemaligen Universität Dillingen (1549-1804) und der mit ihr verbundenen Lehr- und Erziehungsanstalten. Freiburg im Breisgau 1902. Digitalisat: http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/urn/urn:nbn:de:hbz:061:1-20588

24 Von Polnitz, Götz: Die Matrikel der Ludwig-Maximilians-Universität: Ingolstadt, Landshut, München. 1,1. Teil 1, Ingolstadt; Bd. 1, 1472-1600. München 1937, S.

25 Szaivert, Willy u.a.: Die Matrikel der Universität Wien. 4. 1579/II – 1658/59. Graz 1974.

26 Mayer, Hermann: Die Matrikel der Universität Freiburg im Breisgau. 1. 1,1. Von 1460 – 1656. Freiburg im Breisgau 1979.

27 Breit, Stefan: Bayerisches Hauptstaatsarchiv. Reichskammergericht. Band 16. Nr. 6706 – 7308 (Buchstabe M). München 2009, S. 479f.

28 Weber, Georg Michael: Handbuch des in Deutschland üblichen Lehenrechts nach den Grundsätzen Georg Ludwig Böhmer´s. Leipzig 1810, S. 50 f.

29 Ebd.

30 Museum im Bock, Leutkirch; Wappenbrief Nicolaus, Urbanus und Johannes Walser von 1614.

31 Breit 2009, 479f.

32 Ebd.

33 Ebd.

34 Staatsbibliothek Stuttgart, Cod. hist. oct. 68.

35 Mehrle 1961, S. 48ff.

36 Rauh, Rudolf: Systematische Übersicht über die Bestände des Fürstl. von Waldburg-Zeil´schen Gesamtarchivs in Schloß Zeil vor 1806 (1850). Archiv Kißlegg und Archiv Ratzenried. Stuttgart 1953, S. 12ff.; Grimm, Michael: Versuch einer historisch-statistischen Beschreibung Kißleggs samt seiner Umgebung. Erweiterter Nachdruck der Ausgabe Kißlegg 1864. Herausgegeben von Thomas Weiland. Kißlegg 1994, S. 6-11.

37 Grimm 1994, S. 6-11.

38 Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil-Trauchburg, ZAKi 238, 1175.

39 Mehrle 1961, S. 48f.

40 Ebd.

41 Ebd.

42 Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil-Trauchburg, ZAKi 237, Brief von Anna Beysler an Thomas Scheitenberger vom 18. März 1621.

43 Ebd.

44 Ebd.

45 Ebd.

46 Ebd.

47 Pfarrarchiv Kißlegg, Taufbücher, Eintrag vom 10. März 1622 und Eintrag vom 18. Juli 1623.

48 Ebd.

49 Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil-Trauchburg, ZAKi 237, Brief des Schwagers an Thomas Scheitenberger wegen Einladung zur Hochzeit vom 12.10.1627.

50 Ebd.

51 Ebd.

52 Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil-Trauchburg, ZAKi 239, Rechnungen zu Ausgaben für Studium des Johann Scheitenberger ab 1624.

53 Specht; Schröder 1909 (wie Anm. 22).

54 Ebd.

55 Specht; Schröder 1909 (wie Anm. 22); Szaivert 1974; Polnitz 1937.

56 Specht; Schröder 1909 (wie Anm. 22), S. 150, Matr.-Nr. 24 (04. März 1584).

57 Weigle, Fritz: Die Matrikel der Deutschen Nation in Perugia: (1579 – 1727); ergänzt nach den Promotionsakten, den Consiliarwahllisten und der Matrikel der Universität Perugia im Zeitraum 1489 – 1791. Tübingen 1956.

58 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 486 Bü 1592; B 486 Bü 872.

59 Stadtarchiv Wangen, Steuerbücher des 17. Jahrhunderts.

60 Stadtarchiv Wangen, Totenbücher der Pfarrei St. Martin, Eintrag vom 12.12.1621.

61 Specht; Schröder 1909.

62 Stadtarchiv Wangen, Taufbücher der Pfarrei St. Martin, Einträge vom 24.01.1615, vom 31.06.1616 und vom 24.08.1618.

63 Stadtarchiv Wangen, Heiratsbücher der Pfarrei St. Martin, Eintrag vom 12.06.1616.

64 Specht; Schröder 1909 (wie Anm. 22).

65 Ebd.

66 Leitschuh 1966, S. 278.

67 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 442 Bü 36.

68 Archiv des Bistums Passau, Kapellarchiv Altötting, U282; U294; U295; U298; U301; U305; U307.

69 Buchfelner, Simon: Die Geschichte der Verehrung der gnadenreichen Jungfrau und Gottes Mutter Maria zu Altenötting. Von ihrem Ursprung bis auf die neuesten Ereignisse erzählt. Altenötting 1826, S. 107.
Irsing, Jakob; Scheitenberger, Johann; Kilian, Wolfgang: Historia von der weitberühmbten unser lieben Frawen Capell zu Alten-Oeting in Nidern Bayrn. München 1660.

70 von Bezold, Gustav von; Riehl, Berthold: Die Kunstdenkmale des Regierungsbezirkes Oberbayern. Bezirksämter Mühldorf, Altötting, Laufen, Berchtesgaden. Sach-, Künstler und Ortsregister zu Teil 13. München 1905, S. 2355.

71 Zimmermann 1970, Tafel 114, Wappen 3389.

72 Vgl.: Braumüller, Wilhelm: Quellenschriften zur Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Neuzeit. Band 10. Wien 1901, S. 33.

Zimmermann 1970, S. 970.

73 Lieb, Norbert: Die Fugger und die Kunst. Regensburg 1952, S. 488.

74 Specht; Schröder 1909 (wie Anm. 22).

75 Grimm 1994 (wie Anm. 36), S. 108.

76 Herde 2013 (wie Anm. 10).

77 Ebd.

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